Archiv der Kategorie: Teppichetage

Wie das mit dem Läckerli-Huus wirklich war

Miriam Blocher fragte gegen Ende 2006 eines Tages ihren Vater und damals (Noch-)Bundesrat Christoph Blocher, was er von der Basler Traditionsfirma Läckerli-Huus halte. „Was meinst du, soll ich das kaufen?“, fragte sie, nachdem sie ihm erklärt hatte, worum es ging. „Klingt gut, nur zu“, sagte er. Worauf sie: „Weisst du, ich habs schon gekauft.“ Seit dem 1. Januar 2007 ist sie dort Chefin und Alleineigentümerin.

Der Hintergrund: Der in die Jahre gekommene Läckerli-Huus-Besitzer Peter Klein hatte seit längerem jemanden für die Geschäftsleitung gesucht. Auch Miriam Blocher wurde angefragt – die studierte Lebensmittelingenieurin war damals für die Obi-Apfelsaft-Produktion von Thurella verantwortlich. Sie lehnte ab, fügte aber an, dass sie die Firma wenn schon kaufen würde. Der Headhunter erzählte dies dem Besitzer, und dieser kam zum Schluss, dass die Idee gar nicht so schlecht sei, weil in seiner Familie nämlich keine Nachfolger in Sicht waren – und verkaufte.

Aus dem Schneider…

…wird wohl ein Bundesrat. Die Zeichen stehen jedenfalls gut: Johann Schneider, geboren am 18. Februar 1952 in Sumiswald (BE), dürfte die Wahl in den Bundesrat schaffen. Den Zweitnamen Ammann könnte der Maschinenindustrielle dann theoretisch fallen lassen: Er trägt ihn als Markenzeichen, seit er in die Langenthaler Unternehmerfamilie Ammann eingeheiratet und in der Ammann-Gruppe die Führung übernommen hat.

So oder so: Schneider wird sich problemlos ins Regierungsgremium einfügen, wenn er denn in seinem Unternehmen loslassen kann. Er pflegt seit langem gute Beziehungen zum Wirtschaftsverband Economiesuisse, wo er im Vorstandsausschuss sitzt, und auch zum Bundesrat. Insbesondere mit Wirtschaftsministerin Doris Leuthard versteht er sich gut. Für ihre Freihandelspolitik fand er immer wieder lobende Worte. Auf diversen Missionen im Ausland – etwa in Indien (Bild) – harmonierten die beiden ausgezeichnet. Und einige Parteifreunde sehen Johann Schneider bereits als künftigen Wirtschaftsminister.

Die Wirtschaft steht unter Generalverdacht

Da jubelt die Basler Wirtschaft: Endlich wird „ihre“ Zeitung unter dem neuen Chefredaktor Markus Somm vollends auf Hörigkeit getrimmt. Ob sie so überlebt? Es war ein weiter Weg vom ehemals linken Intelligenzblatt zum neoliberalen Sprachrohr. Wobei ja auch der geschasste Chefredaktor Matthias Geering mit seinen Basler Spezis lieber kuschelte und den Pressionen nachgab als Tacheles redete und die Pressefreiheit verteidigte. Aber den neuen Besitzern ging das offenbar nicht weit genug. In ihren Augen stellte die BaZ die Wirtschaft bis anhin unter „Generalverdacht“. Ja was denn sonst? Lehman Brothers, UBS und BP, um nur die paar jüngsten „Verdächtigen“ zu nennen, rückten ja leider erst ins Visier der Justiz und der Öffentlichkeit, als es bereits zu spät war. Es ist daher nicht nur verständlich, sondern sogar eine Pflicht der Medien, die Wirtschaft – wie auch die Politik – unter Generalverdacht zu stellen. Das bedeutet nicht, sie zu verurteilen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Auch für Somm. Vorerst. (Karikatur: Roger Schmidt)

Syngenta ohne Tomaten auf den Augen

Mike Mack, der Chef des weltgrössten Agrokonzerns Syngenta, kennt sich nicht nur mit Pflanzensamen und Pestiziden aus. Mittlerweile seit Jahren in der Schweiz, hat der Amerikaner beobachtet, dass die Konsumenten hierzulande auf Bio stehen und genmutiertes Gemüse fürchten und daher meiden. Er kann das nicht verstehen, gerade weil er sich ökologische Gedanken macht. „Wenn alle organic (also bio) essen möchten, bräuchten wir ein vielfaches an Ackerland“, sagte er kürzlich bei einem Lunch am Syngenta-Hauptsitz in Basel. Er habe in Holland selber gesehen, auf welch engem Raum Tomaten im Treibhaus angebaut würden. „Natürlich ist es schön, wenn man die Tomaten im eigenen Backyard kultivieren kann“, sagt er. „Aber wenn jeder den Hinterhof zum Gemüsegarten machen würde, wäre der Footprint der Menschheit noch grösser als heute schon.“ Wo Big Mack recht hat, hat er recht.

Roche lockert die Krawatten

Schön warm war es, um nicht zu sagen heiss, als Roche in Basel die Halbjahreszahlen präsentierte. So verzichteten denn die meisten Journalisten auf Anzug und Krawatte. Nicht so das Roche-Management, das zwar ohne Veston, aber doch mit Schlips am Frühstückstisch erschien. Finanzchef Erich Hunziker meinte fast entschuldigend, es müssten anschliessend halt alle nach London zur Investoren-Konferenz fliegen, deshalb das konforme Outfit. „Aber auf dem Campus sieht man Krawatten immer seltener, das hat sich in den letzten Jahren stark verändert.“

Einer aus dem Kader hat die Veränderung offenbar schon verinnerlicht. Der Franzose Pascal Soriot, Leiter der Pharma-Division, mochte sich nicht zuknöpfen. Vielleicht liegt es auch daran, dass er früher als Chef der Roche-Tochter Genentech in San Francisco lebte. Und vielleicht macht das Westküsten-Feeling ja jetzt am Rheinknie Schule. Jedenfalls sass Soriot ganz léger ohne Krawatte in der illustren Runde. Und sein Hemd war nicht einmal weiss, sondern rot-weiss gestreift. Chapeau! (Karikatur: Peter Meier-Classen)