Archiv der Kategorie: Ich und …

„Live from the White House“

Videoclip angeschaut? Okay, dann weiterlesen. Tja, das war vielleicht eine Überraschung! Wir waren beim US-Präsidenten Barack Obama, als uns vor dem Weissen Haus ein paar News-Reporter um Hilfe baten. Wir hatten nur zwei Minuten Zeit. Dann standen wir vor dem Tele-Prompter, und die Schrift begann zu laufen – für mich etwas gar schnell. Wir mussten berichten, dass Obama die Truppen in Afghanistan aufstockte, und weshalb. Aber wir schafften den 20-Sekunden-Text plus An- und Abmoderation auf Anhieb ohne Patzer.

Na ja, eigentlich war alles ein wenig anders. Den Samichlaus gibts ja auch nicht. Aber wer bis hierher gelesen hat, soll belohnt werden: Schon einmal vom Newseum in Washington gehört? Es wurde 2007 eröffnet und ist wirklich einen Besuch wert – auch für Nicht-Journalisten.

Ich und… der Finanzjongleur Werner K. Rey

Wer erinnert sich noch an den ehemals bejubelten Financier und dann tief gefallenen Pleitier Werner K. Rey? Er war der erste Raider (=Plünderer) in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Er war das, was man heute eine Heuschrecke nennt. Er kaufte Firmen, reorganisierte, restrukturierte und filettierte sie, um sie wieder zu verkaufen – mit sattem Gewinn. Seinen ersten Coup landete er 1977 bei Bally. Der damals 34-Jährige kaufte die Schuhfabrik mit geliehenem Geld und verkaufte sie nach wenigen Monaten wieder – mit einem Gewinn von 50 Millionen Franken. In den 80er-Jahren trieb er es zu bunt. Den Banken gaukelte er immer öfter Geschäfte und Geldtransfers vor, um an neue Darlehen zu kommen. 1991 zerplatzte sein Milliarden-Imperium wie eine Seifenblase . Er setzte sich auf die Bahamas ab. Dort wurde er 1996 verhaftet (Bild) und an die Schweiz ausgeliefert, wo er vier Jahre Gefängnis kassierte.

Ich habe die Story aus nächster Nähe mitverfolgt. Ich war auf den Bahamas, habe dort mit Reys Frau gesprochen, das Gefängnis besucht und den Prozessen beigewohnt. Auch später, bei seiner Entlassung aus dem Berner Regionalgefängnis, war ich zur Stelle. Dann zog Rey nach Schottland, in die Nähe von Glasgow, die Heimat seiner Frau. Dort konnte ich ihn nach zähen Verhandlungen besuchen – für eine Reportage. Ich musste versprechen, dass ich niemandem verraten würde, wo er wohnte. Wir blieben in Kontakt. So brachte ich ihn im November 2002 zur Überraschung meiner Journalisten-Kollegen eines Tages auf die Redaktion der Wochenzeitung Cash in Zürich (Bild) und schrieb über seine neuen Geschäfte. Aber er hat das Comeback nie geschafft. Inzwischen ist es um Werner K. Rey ruhig geworden. Er verbringt die meiste Zeit in London. Und er hält weiter an seiner Unschuld fest – und am Wunschtraum, der Welt irgendwann zu beweisen, dass er eben doch ein ganz guter Geschäftsmann ist.

Ich und… die Kokser von Shanghai

China. China! Wer in der Business-Metropole Shanghai landet, staunt und staunt und staunt. Grösser könnte der Kontrast zur mausarmen Landbevölkerung gar nicht sein.  Ein Beispiel: Zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum beschleunigt die Transrapid-Schnellbahn auf über 400 km/h. Dann allerdings gehts mit dem Bus wegen ungeheuerlichem Stau im Schneckentempo weiter.

Superreiche Geschäftsleute aus Peking sind hierher gezogen, um neue Firmen oder zumindest neue Niederlassungen ihrer bestehenden Firmen zu eröffnen. Denn in Shanghai ist das grosse Geld, hier spielt die Musik. Das sieht man nirgendwo deutlicher als in einem der schicken Nachtklubs. Draussen stehen BMW- und Mercedes-Cabrios, und drinnen dröhnen sich junge chinesische Dollar-Millionäre mit Alkohol und Drogen zu. Es sind die Kinder der Unternehmer aus Peking. Wir spielen Pool-Billard nach amerikanischem Muster, und der Hiphop-Sound ist so laut, dass ich gar nicht erst versuche, auf Konversation zu machen.

Auf der Schiefertafel steht mein Name. Ich bin als nächster dran. Früher waren es die Opiumhöhlen, die Shanghai berühmt-berüchtigt gemacht hatten. Jetzt wird hier Koks herumgereicht wie auf dem Land das Bier. Ich fühle mich wie in irgendeinem Schicki-Micki-Klub in Zürich, in St. Julians auf Malta oder in Los Angeles. Aber ich bin in China, in einem der ärmsten Länder der Welt. Das wird mir schlagartig klar, als ich ins Taxi steige, um zum Hotel zurückzukommen. Der Taxifahrer kann den Namen des Hotels weder lesen noch verstehen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mit meinem Handy ins Hotel anzurufen und jemanden von der Reception zu bitten, den Taxifahrer zu instruieren. China! China.

Ich und… die Scheichs von Dubai (2)

Der Abend nimmt seinen Lauf. Die Männer sitzen an dem einen Tisch, die Frauen an dem andern. Gastgeber Abdul Rahman Al Jallaf, einer der mächtigsten Scheichs von Dubai, erzählt, dass er regelmässig in die Schweiz reist. Er verbringt mit seiner Familie in jedem Sommer mehrere Wochen in Montreux. „Das ist unsere Basis“, sagt er, „von dort aus reisen wir dann in ganz Europa herum.“ Nach einigem Hin und Her lässt mich der Scheich auch mit seiner Frau Hamda und den beiden Töchtern Amal und Nada reden, ohne dass er dabei ist. Es interessiert mich, was sie zu sagen haben. Sogar fotografieren darf ich sie nun.

Amal, die ältere der beiden Töchter, posiert stolz mit ihrem Vater. Ihm ist es etwas peinlich. Amal ist von der Schweiz begeistert. Sie erzählt, wie sich ihre ganze Familie jeweils im Flugzeug vor der Landung in Genf umzieht: Jeans und Turnschuhe statt Abaya, Kaftan und Kopftuch. „Montreux ist meine zweite Heimat“, sagt sie. Mit dem Mietauto hat sie beim letzten Besuch in wenigen Wochen 12000 Kilometer zurückgelegt: Paris, Mailand, Frankfurt. – Tja, Tochter oder Sohn eines Scheichs sollte man sein. Wenn ich höre, wie diese Leute in der Welt herumkommen, fühle ich mich gleich wieder wie ein erbärmlicher Stubenhocker.

Ich und… die Scheichs von Dubai (1)

Es war einmal ein junger Journalist. So ähnlich müsste ich zu erzählen beginnen, wenn ich in alten Fotos und Dokumenten krame und mich zurück erinnere. Aber ich nenne die neue Rubrik ganz einfach und unbescheiden „Ich und…“.

Da war doch diese Reise in die Emirate, nach Dubai und Abu Dhabi. Vom Flughafen ging es um 21 Uhr direkt in die Villa von Scheich Abdul Rahman Al Jallaf. Er ist der Kopf des wohl reichsten und einflussreichsten Clans von Dubai und gilt als enger Vertrauter des Emirs. Klar, dass an diesem Abend alles da ist, was Rang und Namen hat. Aber von Berührungsängsten mit uns Gästen keine Spur. Im Gegenteil: Der westliche Einfluss ist allgegenwärtig. Nur bei den Getränken macht er Halt. Auf der reich gedeckten Tafel gibt es zu Fleisch und Fisch weder Cola noch Alkohol, dafür dickflüssigen Minzensaft und Kamelmilch.

Zu meiner Linken sitzt Scheich Mohamed Al-Sharif Al-Hashemi. Er strahlt mit seinem breiten Lachen eine gemütliche Gelassenheit aus. In der Schweiz kennt er sich bestens aus. Er liebt das Land. Aber – so sagt er beim Thema Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit – „die Schweizer müssen aufpassen, dass sie uns auch künftig freundlich behandeln.“

Schwarz auf der Baustelle

Da bin ich wieder. Zurück von einer Baustelle. Neben dem Bloggen muss ich ja schliesslich auch arbeiten. Und in den vergangenen zwei Wochen hat mich die Arbeit eben auf Baustellen geführt, Baustellen, auf denen viel zu oft schwarz oder zu ungesetzlich tiefen Löhnen gearbeitet wird. Genauer gesagt: Auf jeder zweiten Baustelle ist etwas faul.  Daraus entstand ein Report für meine Zeitung.

Unter anderem war ich im Baselbiet mit FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin (links im Bild) und Baustellen-Kontrolleur Michel Rohrer (rechts) einen Tag lang unterwegs, um nach schwarzen Schafen Ausschau zu halten. Ich will ja nicht schwarzmalen, aber was ich in diesen zwei Wochen alles herausgefunden habe, ist nicht sehr erbaulich. Vor allem Maler und Gipser malen schwarz – ähm – arbeiten schwarz. – Ich nicht. Bei der Zeitung bin ich legal angestellt, und für den Blog werde ich von niemandem bezahlt, noch nicht 🙂