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Konrad Hummler’s getürktes Steuerrezept

Der Wegelin-Bankier Konrad Hummler ist bekanntlich kein Freund einer hohen Staatsquote. Dennoch warf er kürzlich beim Thema Steuern mit sichtlichem Vergnügen eine interessante Idee in die Runde: „Die alten Türken kannten nur die Erbschaftssteuer, aber null Einkommens- und Vermögenssteuern.“ Die türkische Lösung war einfach aber krass, denn die Erbschaftssteuer betrug volle 100 Prozent. Das findet der erfolgreiche Privatbankier insofern toll, weil die Jungen – so wie einst auch er selber – gezwungen waren, bei Null anzufangen, und nicht der Versuchung unterliegen konnten, sich auf den Lorbeeren von Papa auszuruhen und das geerbte Geld zu verprassen. Auch Hummlers Kinder werden nicht ganz so viel erben, wie sie ohne Papas Liebe zum Komponisten Johann Sebastian Bach könnten. Hummler gibt 30 Millionen Franken aus, um das ganze Vokalwerk des Altmeisters aufführen und professionell aufzeichnen zu lassen.

Bleibt noch die Frage, ob der Wegelin-Bankier das Steuermodell der alten Türken künftig auch in der Schweiz sehen würde. Hummler bleibt sich treu und antwortet, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern: „Sie wissen ja: Ich bin generell gegen Steuern.“

Nokia meets Bach in Appenzellerland

aus dem Workshop zu BWV 109 (coro)

Die Kantate BWV 109 hat es in sich. Johann Sebastian Bach stellte an Musiker und Publikum hohe Anforderungen, als er das Werk am 17. Oktober 1723 in Leipzig erstmals aufführte. Fast auf den Tag genau 287 Jahre später wiederholt sich die Szene im Appenzellischen Trogen. Nur, dass hier Nokia dazwischen funkt. Die kleine, simple Melodie des Handyherstellers bot in der Evangelischen Kirche einen krassen und absolut unerwünschten Kontrast zu den virtuosen Partituren des barocken Altmeisters.

Nokia-Melodie

Aber der Dirigent und musikalische Leiter des Abends, Rudolf Lutz,  lässt sich im Workshop vor dem Konzert durch das kleine Intermezzo nicht aus der Fassung bringen: Er baut die Nokia-Melodie gekonnt in seinen Vortrag ein, improvisiert dazu auf dem Keyboard und stellt mit gewitzten Sprüchen die betreffenden Handybesitzer an den Pranger. Frech, aber nicht plump. Bestimmt, aber mit einem Augenzwinkern. Ich bin überzeugt, dass es Bach genau so gemacht hätte. So viel habe ich an diesem Abend über den Komponisten dazugelernt.

P.S.: Bei der Nokia-Szene habe ich genau so herzhaft gelacht wie der Mann, der alles möglicht macht: Wegelin-Bankier Konrad Hummler. Der Bach-Fan will mit seiner J.S. Bach-Stiftung in den nächsten 20 Jahren sämtliche 250 Kantaten des Meisters zur Aufführung bringen. Das lässt er sich 30 Millionen Franken kosten.