Strenge Schönheit hinter Stacheldraht

Wieder einmal sorgt Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il für negative Schlagzeilen. Diesmal ist es weder eine Provokation mit atomaren Waffen noch eine Aggression gegen Südkorea. Nein, der Diktator bereitet Funktionäre und Volk darauf vor, dass nach seinem Tod sein Sohn Kim Jong Un an die Macht kommt. Er setzt alles daran, das Zepter im Clan seiner Familie zu verankern.

Wie anders ist doch das Bild, das man als einer der wenigen Priviligierten, die ins Land dürfen, mit nach Hause nimmt. Ich war zweimal in Nordkorea – auf dem Landweg. Südkoreanische Journalisten hatten die Reisen organisiert, um für die Wiedervereinigung zu werben. Oh ja, ich wurde rigoros kontrolliert und sah Beängstigendes: Stacheldraht, schwer bewaffnete, nervöse Militärs und Staatsschützer in Zivil, die meine Fotos löschen wollten. Und natürlich die unermessliche Armut. Aber ich sah auch unglaublich schöne, unberührte Landschaften, und ich traf liebenswürdige Menschen. Zum Beispiel die Touristenführerin (Bild) am See Sam Il Po in der Region des Kumgang-Gebirges. Ihre Strenge und ihre Schönheit waren sinnbildlich für das Land. Leider konnte sie nur koreanisch, aber Mimik, Gestik und Tonfall sprachen Bände, so dass ich die Übersetzerin gar nicht so sehr brauchte. Ich traf auch Menschen, die perfekt Englisch konnten, wie man es fast nur in einem englischsprachigen Umfeld schaffen kann. Diese Menschen aber hatten noch nie in ihrem Leben das Land verlassen (dürfen). Sie haben die fremde Sprache in der Schule gelernt – mit unendlichem Fleiss und Ehrgeiz. Dafür habe ich sie bewundert.

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