Raubtier-Kapitalismus

„Der Fidel, mein Freund“, liess der UNO-Berater und frühere Genfer SP-Nationalrat Jean Ziegler im Gespräch oft und gern einfliessen, um seine weltweite Vernetztheit zu unterstreichen – inklusive mit Castros Kuba. In seinem neusten Buch „Der Hass auf den Westen“ geisselt der linke Soziologe einmal mehr in eloquenter und rhetorisch wie inhaltlich beeindruckender Weise die westliche Welt als Urheberin allen Übels in den Ländern des Südens und überhaupt in der Dritten Welt. Während er früher regelmässig die gierigen Banker ins Visier nahm und sie des Casino-Kapitalismus bezichtigte, beschreibt er nun den Raubtier-Kapitalismus Europas der vergangenen 500 Jahre.

Und er warnt vor der Zukunft: Das „verwundete Gedächtnis“ des Südens an die Demütigungen in Jahrhunderten des Sklavenhandels und der Kolonialisierung sei wiedererwacht. Daher auch der Untertitel: „Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren.“ Sein Buch ist somit nicht nur ein „Look back in Anger“ (Schauspiel des britischen Dramatikers John Osborne von 1956), sondern auch – und viel mehr – ein „Blick nach vorn im Zorn“. Und ein Happy-End ist – anders als in Osbornes Stück – nicht zu erwarten. Brilliant. Sogar die NZZ räumt ein, dass trotz „Weltretter-Pathos, Schwarzweiss-Malerlei und knalligem Stil bis zur Ungenauigkeit“ nur wenige behaupten würden, Ziegler habe im Grundsatz nicht oftmals recht.

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