Archiv der Kategorie: Über den Wolken

Endlich wieder einmal in Obamaland

Besser selber an Bord, als nur von unten zuschauen: Airbus A340 der Swiss kurz nach dem Start in Zürich.

Nein, Obama und Osama, die Namen zu verwechseln, sich zu verhaspeln – mir ist das nie passiert. Aber da sieht man wieder die Bedeutung eines einzigen Buchstabens. Irgendwie ist es passend, dass Obama Osama erwischt hat.

Jetzt gehts wieder einmal auf eine grosse Reise, in die USA. Nach einem Jahr Vorbereitung ist es endlich soweit. Die Amerikaner sollen, so hört man, nach dem Abgang Osamas wie neu geboren sein, befreit, selbstsicher, stolz, fröhlich – eben so, wie sie vor 9/11 waren. Ich bin gespannt. Ich hoffe, es ist so. Und ich hoffe, dass die übertriebenen Sicherheitsmassnahmen nun auch bald wieder abgebaut werden. Durchatmen.

Durchatmen werde ich auch, wenn der Swiss-Flug LX40 den Runway 16 hinter sich lässt und in der Luft ist – “airborne”. In den letzten Tagen sah ich den Airbus A340 mit den vier Triebwerken immer nur aus dem Bürofenster, von unten, wenn er nach dem Start zu seiner weiten Linkskurve ansetzte (siehe Foto). Morgen sitze ich nun endlich drin, Platz 27K, rechts am Fenster.

In 12 Stunden und nach einer Strecke von fast 10’000 Kilometern werden wir in Los Angeles landen, um 4.40 p.m. Ortszeit, dank 9 Stunden Zeitgewinn. Schnell ins Hotel, Badehose anziehen, und im Jacuzzi entspannen. Dann in ein feines Restaurant am Manhattan Beach. Wer denkt denn um Mitternacht schon daran, dass es in der Schweiz bereits wieder 9 Uhr früh ist?

PS: Ferienhalber habe ich das Zeitungswirrwarr-Bild über dem Blog temporär durch ein passenderes ersetzt. Fortsetzung folgt.

Das Geheimnis von “Summer of ’69″

Und weil es mit Bryan Adams so schön war, kommt hier gleich noch ein zweiter Song, den ich ganz besonders mag: “Summer of ’69″ aus dem Jahr 1985, die kanadisch-amerikanische Version von Polo Hofers “Summer achtesächzg”, fast gleichzeitig entstanden. Im Songtext erinnert sich Bryan Adams zurück an seine Jugendzeit, als er seine erste Gitarre kaufte, seine erste Band gründete und die Liebe zu seiner Freundin entdeckte. Dies sei die beste Zeit seines Lebens gewesen, singt er. Eine Zeit, in die er vorbehaltlos zurückkehren möchte, wenn er es denn könnte.

Aber etwas kann nicht stimmen: Adams war 1969 erst neun Jahre alt. In einem Interview im Jahr 2001 bestätigte er denn auch, dass der Text nicht authentisch sei. Und er deutete an, dass sich der Titel auf die gleichnamioge Sex-Stellung bezog. Aber das wollen wir gar nicht wissen – die Flower-Power-Romantik der späten 60er-Jahre lassen wir uns nicht verderben. Und – nota bene – wenigstens Polo Hofer war 1968 schon ganz und gar im Schuss. Here we go – Bryan Adams:

PS: Ich kann mich noch gut erinnern, wann und wo ich den Song zum ersten Mal hörte. Das war im Sommer 1989 in Los Angeles, in einer Musik-Lasershow des Planetariums im Griffith Park. Überwältigend.

So entdeckte ich Bryan Adams

Wer kennt ihn nicht, den Song “(Everything I Do) I Do It For You”. Aber nicht alle kennen die Hintergründe: Die Rockballade wurde 1991 für den Film “Robin Hood – König der Diebe” geschrieben. Und von wem? Vom kanadischen Sänger und Komponisten Bryan Adams. Ich gebe es zu: Das wusste ich bis gestern auch nicht alles. Ich kannte zwar den Song und auch den Namen Bryan Adams, aber ich wusste nicht, dass ER IHN gemacht hat. Und ich wusste nicht wie GUT er ist – der Song.

Bis gestern: Beim  Zappen kam ich auch aufs Schweizer Farbfernsehen, wo gerade eine Talent-Show lief. Die grössten Schweizer Talente, oder so. Und da stand so eine junge Frau aus Schaffhausen auf der Bühne, die eben jenen Bryan-Adams-Song zum Besten gab – geben wollte. Ich war so was von enttäuscht - wie übrigens auch die drei Promis in der Jury, DJ Bobo, Christa Rigozzi und Roman Kilchsperger.

So weit so gut. Ich wechselte vom TV zum PC und suchte nach diesem Song. Nach dem Original – nach dieser Amateur-Version am Fernsehen. Und hier ist er, in einer wunderbaren live Langversion (leider nur via Youtube anzuschauen).

Tja, so lernte ich also Bryan Adams kennen – und schätzen.  ”(Everything I Do) I Do It For You” ist wohl einer der schönsten Love-Songs aller Zeiten. Bitte nur ja nicht versuchen, den Originaltext auf Deutsch zu übersetzen…

Leider NOT Born in the USA

Ich bin NICHT in den USA geboren. Okay. Aber was ist der Unterschied? Ich fühle mich hier – in den USA – viel mehr zu Hause als in der Schweiz, wo ich geboren bin. Das ist mir gerade heute Abend wieder aufgefallen, als ich bei Sonnenuntergang am Beach war, in Hollywood, Florida. Es war so friedlich, wie ich es in der Schweiz kaum je erlebt habe. Und die Menschen sind einfach viel netter als in der Schweiz – auch zu mir, obwohl ich hier Ausländer bin, nota bene.

Im Radio läuft “Born in the USA” von Bruce Springsteen, auf 102.7, “MAJIC 102.7 – The Greatest Hits of the 60s & 70s”, mein Lieblingssender. Der Song ist schon alt, wird aber immer wieder gespielt, ganz besonders am Independence Day, dem Nationalfeiertag, dem 4. Juli. Die Leute haben dann Tränen in den Augen. In der Schweiz gibt es zum 1. August nichts Vergleichbares, oder täusche ich mich? Ein Heimatlied wie “Dr Bueb vo Trueb”? Born in Switzerland? Ich glaube, dass viele Schweizer gar nicht stolz darauf sind, in der Schweiz geboren worden zu sein. Der Stolz ist wohl bei manchen in Arroganz umgeschlagen, nach dem Motto: Ich bin hier, aber das Boot ist nun voll. Oder gibt es für diese Menschen am Ende gar nichts mehr, worauf sie stolz sein können? Dann halte ich mich lieber an Bruce Springsteen…

Ich und… “Sully” Sullenberger, der Held

Bis vor zwei Jahren war er als Pilot bei US Airways ein unbeschriebenes Blatt, mein entfernter Verwandter Chesley B. Sullenberger. Heute sitzt er am WEF in Davos und ist weltberümt. Ich bin stolz: Seine Vorfahren stammen aus der Schweiz und hiessen Sollberger. Sie waren 1737 aus Wynigen im Kanton Bern in die USA ausgewandert. Auch meine Vorfahren stammen aus dieser Ecke. Mein Heimatort Willadingen ist nur ein paar Kilometer von Wynigen entfernt.

“Sully” gelang am 15. Januar 2009 eine spektakuläre Notwasserung auf dem Hudson River in New York, nachdem seine Maschine in einen Vogelschwarm geraten war, was zu einem Ausfall der beiden Triebwerke geführt hatte . Alle 155 Menschen an Bord überlebten. Es war die weltweit erste Notwasserung eines Airbus A320. Eine solche Meisterleistung galt bis zu jenem Tag als praktisch unmöglich. Jetzt erklärt der 60-jährige Sullenberger am WEF  in Davos Spitzenmanagern, was gute Führung ausmacht: Ruhig bleiben, professionell handeln, vertrauen ins Team und in sich selber. Er hat auch ein Buch veröffentlicht mit dem deutschen Titel: Man muss kein Held sein. Auf welche Werte es im Leben ankommt. In den USA wird Sully als “Held vom Hudson” verehrt. Seine Notlandung im Hudson River war also alles andere als ein Schlag ins Wasser. Und weil mein Name sehr ähnlich klingt, profitiere auch ich von Sullys Ansehen, wenn ich in den USA bin. Schön, wenn man plötzlich so berühmte Verwandte hat – auch wenn es sehr entfernte Verwandte sind.

Dreaming of a White Christmas

Ich frage mich, warum die Radiostationen in Florida jeden Tag x-mal den Song “White Christmas” spielen. Träumen die Menschen hier im Winter tatsächlich davon, Schnee zu sehen und zu frieren, wo sie doch schon jammern, sobald das Thermometer einmal nicht auf 25 Grad steigt? Oder denken manche eher an weissen Sand oder gar an Kokain? Denn: Jingle Bells am Palmenstrand sind doch allemal besser als Schneegestöber am Stadtesrand.

Klar ist nur, dass der Songschreiber Irving Berlin 1940 in Phoenix (Arizona) am Swimming-Pool des Biltmore Hotels eines Tages den Winter derart vermisste, dass er seiner Sekretärin die berühmten Verse auf der Stelle diktierte. Er soll zu ihr gesagt haben: “Grab your pen and take down this song. I just wrote the best song I’ve ever written — heck, I just wrote the best song that anybody’s ever written!” Gesungen wurde das Lied dann vor allem von Bing Crosby. Meine Lieblingsversion stammt allerdings von Santa Claus und seinen vier Rentieren – alias The Drifters. MERRY X-MAS!

Ocean Alley’s Pain Killer

Hier in Florida gab es einen Kälteeinbruch. Gestern war es nur noch 20 Grad warm. Für die Einheimischen ein absoluter Horror. Die Snowbirds und die anderen Gäste, die sich viel tiefere Temperaturen gewohnt sind, lassen sich nicht aus der Ruhe bzw. Badehose bringen. Sie sitzen am Beach, geniessen die trotz allem ziemlich starke Sonne, oder schlürfen an der Bar einen Drink. Besonders beliebt ist Ocean Alley, direkt am Broadwalk von Hollywood Beach (Hollywood in Florida, nicht die Kopie davon in Kalifornien).

Ich nehme heute den Ocean Alley’s Pain Killer – nicht weil ich irgendwelche Schmerzen hätte, die es zu besiegen gälte, sondern weil ich den Mix aus Rum und Kokosmilch mag. Mein Blick schweift über den breiten, mit Palmen übersäten Sandstrand hin zu den Wellen des türkisfarbenen Atlantiks. Vor mir flanieren zufriedene Leute, Inline-Skater fahren vorbei, Velofahrer treten gemächlich in die Pedale – was für ein wundervolles Leben. Und das Spezielle am Ocean Alley ist: Gleich über der Bar ist eine Web-Kamera. Wer weiss, vielleicht sitze ich gerade jetzt wieder dort und zwinkere in die Linse.

Die wundersame Reise einer 5-Dollar-Note

Am Abend vor meinem Flug nach Miami ist es schon dunkel, als ich aus dem Redaktions-Büro komme. An der Förrlibuckstrasse im Zürcher Kreis 5 warte ich aufs Tram. Da fragt mich ein offensichtlich ortsunkundiger junger Deutscher, ab wann man den Nachtzuschlag von 5 Franken bezahlen müsse. Erst ab Mitternacht, sage ich. Sein nächstes Problem: Er hat kein Kleingeld, um am Automaten das Trambillet zu kaufen, und niemand kann wechseln. Jetzt habe ich echt Mitleid mit dem Typ, und ich gebe ihm die benötigten 4.20 Franken. Zuerst will er das Geld nicht. Dann bedankt er sich und reicht mir eine 5-Dollar-Note, mit der Frage, ob ich den Schein brauchen könne. Klar, kann ich gut, sage ich.

Szenenwechsel. 8000 Kilometer westlich und zwei Tage später. Ich sitze im Hard Rock Cafe in Hollywood, Florida, an der Bar. Es ist Happy Hour. Wir bekommen vier Drinks – zwei Singapore Slings und zwei Mojitos - für sagenhafte 13.76 Dollar. Wir bezahlen. Da erinnere ich mich an die 5-Dollar-Note in meiner Tasche. Sie ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort genau das richtige Trinkgeld. – Und seither frage ich mich, wem und wo der Schein wohl in Zukunft noch Glück bringen wird. Denn er wird es, da bin ich mir sicher.