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Das Geheimnis von “Summer of ’69″

Und weil es mit Bryan Adams so schön war, kommt hier gleich noch ein zweiter Song, den ich ganz besonders mag: “Summer of ’69″ aus dem Jahr 1985, die kanadisch-amerikanische Version von Polo Hofers “Summer achtesächzg”, fast gleichzeitig entstanden. Im Songtext erinnert sich Bryan Adams zurück an seine Jugendzeit, als er seine erste Gitarre kaufte, seine erste Band gründete und die Liebe zu seiner Freundin entdeckte. Dies sei die beste Zeit seines Lebens gewesen, singt er. Eine Zeit, in die er vorbehaltlos zurückkehren möchte, wenn er es denn könnte.

Aber etwas kann nicht stimmen: Adams war 1969 erst neun Jahre alt. In einem Interview im Jahr 2001 bestätigte er denn auch, dass der Text nicht authentisch sei. Und er deutete an, dass sich der Titel auf die gleichnamioge Sex-Stellung bezog. Aber das wollen wir gar nicht wissen – die Flower-Power-Romantik der späten 60er-Jahre lassen wir uns nicht verderben. Und – nota bene – wenigstens Polo Hofer war 1968 schon ganz und gar im Schuss. Here we go – Bryan Adams:

PS: Ich kann mich noch gut erinnern, wann und wo ich den Song zum ersten Mal hörte. Das war im Sommer 1989 in Los Angeles, in einer Musik-Lasershow des Planetariums im Griffith Park. Überwältigend.

So entdeckte ich Bryan Adams

Wer kennt ihn nicht, den Song “(Everything I Do) I Do It For You”. Aber nicht alle kennen die Hintergründe: Die Rockballade wurde 1991 für den Film “Robin Hood – König der Diebe” geschrieben. Und von wem? Vom kanadischen Sänger und Komponisten Bryan Adams. Ich gebe es zu: Das wusste ich bis gestern auch nicht alles. Ich kannte zwar den Song und auch den Namen Bryan Adams, aber ich wusste nicht, dass ER IHN gemacht hat. Und ich wusste nicht wie GUT er ist – der Song.

Bis gestern: Beim  Zappen kam ich auch aufs Schweizer Farbfernsehen, wo gerade eine Talent-Show lief. Die grössten Schweizer Talente, oder so. Und da stand so eine junge Frau aus Schaffhausen auf der Bühne, die eben jenen Bryan-Adams-Song zum Besten gab – geben wollte. Ich war so was von enttäuscht - wie übrigens auch die drei Promis in der Jury, DJ Bobo, Christa Rigozzi und Roman Kilchsperger.

So weit so gut. Ich wechselte vom TV zum PC und suchte nach diesem Song. Nach dem Original – nach dieser Amateur-Version am Fernsehen. Und hier ist er, in einer wunderbaren live Langversion (leider nur via Youtube anzuschauen).

Tja, so lernte ich also Bryan Adams kennen – und schätzen.  ”(Everything I Do) I Do It For You” ist wohl einer der schönsten Love-Songs aller Zeiten. Bitte nur ja nicht versuchen, den Originaltext auf Deutsch zu übersetzen…

Viktor Giacobbo: Alles Mike Müller oder was?

Er steht seit über 30 Jahren auf der Bühne, parodierend, persiflierend und posierend: Viktor Giacobbo. 1981 bin ich dem Multitalent erstmals begegnet. Angefangen hat Vik als nebenamtlicher Conférancier und Polit-Kabarettist in der linken Winterthurer Szene. Die Brötchen verdiente der Satiriker mit der spitzen Zunge damals schon beim Schweizer Fernsehen – als Dokumentalist, als Zulieferer also. Der gelernte Schriftsetzer suchte im Archiv nach Material, das die Fernsehmacher bestellt hatten oder gut gebrauchen konnten. Heute ist Giacobbo selber der grosse Zampano.

Damals, 1981, tingelte Giacobbo mit seiner Klamauk-Truppe namens Stuzzicadenti durch die Schweiz. Die “Zahnstocher” gastierten auch in Solothurn, Langenthal und Bern. Dort lernte ich sie kennen und schätzen. Ich begleitete sie, um eine Reportage für die Studentenzeitung zu schreiben. Vik war als Kopf und Texter der Stuzzi schon damals einsame Spitze – nur einfach viel, viel frecher als heute, und auch nicht immer so politisch korrekt. “Blaue Bohnen – heisse Lust” hiess das Programm. Nichts und niemand war den Stuzzi heilig: Der Papst – damals war es Karol Wojtyla alias Johannes Paul II –  bekam sein Fett genau so ab wie die Politiker – damals, man glaubt es kaum, war es auch schon Christoph Blocher.

Ist Giacobbo heute besser als damals, oder hat er nachgelassen? Mit Sicherheit ist er braver geworden – gezwungenermassen. Ein katholischer Würdenträger namens ”Karel Gott Wojtyla”, der seltsame sexuelle Neigungen öffentlich auslebt und dafür im Beichtstuhl die Gurtenpflicht einführt, würde am Schweizer Fernsehen wohl kaum toleriert. Aber Giacobbos Schalk blitzt auch heute immer wieder auf. Man kann ihn in seinen Augen erkennen, oder in seinem bisweilen fast diablischen Grinsen. Als ich ihn kürzlich im Kaufleuten bei der Aufzeichnung von Giacobbo/Müller wieder einmal live sah, begriff ich sein Erfolgsrezept: Er hat eine animalische Freude an seinem Job. Das ist es! Aber, lieber Vik, du musst aufpassen und darfst dich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Mike Müller ist dir mit seinen eigenen Versen hart auf den Fersen.

Der Kommentar der Kassierin

In der Schweiz erlebe ich das nie. Ich stehe an der Kasse bei Migros oder Coop, und die Kassierin kommentiert meine Einkäufe: „Aha, gibts heute Abend Spaghetti Carbonara.“ Oder: „Hmmm, gute Wahl, und erst noch gesund.“ Das ist undenkbar in der Schweiz.

Nicht so in den USA, hier gehört der Smalltalk an der Kasse dazu. Die Kassierin fragt nicht nur, wie es heute so geht, sondern sie denkt laut nach über die Waren, die sie einscannt. Kürzlich kaufte ich im Publix nur sehr wenig ein, dafür ganz besondere und für amerikanische Verhältnisse saumässig teure Sachen: Prosciutto di Parma, importiert aus Italien, eine Flasche Pinot Noir, importiert aus Australien, und eine grosse Portion Sushi, frisch zubereitet vom japanischen Koch im Supermarkt. Alles zusammen kostete rund 30 Dollar. Die Kassierin meinte: „Wow, was für ein gutes Dinner heute! Aber ziemlich teuer…“ Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen, denn für 30 Dollar kann hier eine vierköpfige Familie auswärts essen gehen – aber eben nur bei Burger King oder Taco Bell.

Leider NOT Born in the USA

Ich bin NICHT in den USA geboren. Okay. Aber was ist der Unterschied? Ich fühle mich hier – in den USA – viel mehr zu Hause als in der Schweiz, wo ich geboren bin. Das ist mir gerade heute Abend wieder aufgefallen, als ich bei Sonnenuntergang am Beach war, in Hollywood, Florida. Es war so friedlich, wie ich es in der Schweiz kaum je erlebt habe. Und die Menschen sind einfach viel netter als in der Schweiz – auch zu mir, obwohl ich hier Ausländer bin, nota bene.

Im Radio läuft “Born in the USA” von Bruce Springsteen, auf 102.7, “MAJIC 102.7 – The Greatest Hits of the 60s & 70s”, mein Lieblingssender. Der Song ist schon alt, wird aber immer wieder gespielt, ganz besonders am Independence Day, dem Nationalfeiertag, dem 4. Juli. Die Leute haben dann Tränen in den Augen. In der Schweiz gibt es zum 1. August nichts Vergleichbares, oder täusche ich mich? Ein Heimatlied wie “Dr Bueb vo Trueb”? Born in Switzerland? Ich glaube, dass viele Schweizer gar nicht stolz darauf sind, in der Schweiz geboren worden zu sein. Der Stolz ist wohl bei manchen in Arroganz umgeschlagen, nach dem Motto: Ich bin hier, aber das Boot ist nun voll. Oder gibt es für diese Menschen am Ende gar nichts mehr, worauf sie stolz sein können? Dann halte ich mich lieber an Bruce Springsteen…

Das clevere Schneiderlein von Hollywood

Was, wenn der neue Duvet-Anzug 20 Zentimeter zu lang ist? Umtauschen, klar. Aber was, wenn ich den Anzug in Deutschland gekauft habe – wegen der besonderen Masse, die es in der Schweiz nicht gibt – und jetzt in Hollywood, Florida, in unserer Wohnung stehe, mit dem Duvet und dem zu langen Anzug in der Hand? Das nervt. Den Reissverschluss heraustrennen, Stoff abschneiden und den Reissverschluss wieder einnähen? Puhhh, was für eine Arbeit!

Da erinnern wir uns an einen indischen Schneider, der für sehr wenig Geld Änderungen macht. Nichts wie hin. Wir zeigen ihm das gute Stück und erklären ihm das Problem. Er denkt kurz nach und sagt dann, sowas mache er nicht, mit dem Reissverschluss. Da müssten wir schon zu einem Spezialisten gehen. Wir sind enttäuscht und wollen wieder gehen, als das clevere Schneiderlein sagt: “Ich könnte natürlich am andern Ende kürzen, dort ist es viel einfacher, weil dort kein Reissverschluss ist.”

Das war die Lösung, so einfach, aber wir wären nie darauf gekommen, wir waren so fixiert auf den Gedanken, dass der Anzug zu lang war, also unten gekürzt werden müsste. Gesagt getan – und bei einem Preis von 10 Dollar erst noch spottbillig.

Prosit Neujahr mit SP1614N

Das neue Jahr hat nicht gut angefangen, jedenfalls was meinen unterschätzen, aber unersetzbaren Diener angeht. Er heisst Scaleo und stammt aus der Dynastie von Fujitsu-Siemens. Just am Neujahrstag versagte die linke Niere. Ganz plötzlich war sie nicht mehr funktionsfähig. Nachdem keines der Hausmittelchen den gewünschten Erfolg zeigte, musste ich das dysfunktionale Organ entnehmen. Als auch eine Reanimation “hors sol” nicht half, suchte ich für Samsung SP1614N eine spezialisierte Privatklinik. Ich holte zwei Offerten ein, von Recovery Labs und Ontrack. Beide boten an, für 2000 bis 3000 Franken alles zu tun, aber ohne Garantie auf Erfolg.

Da erinnerte ich mich an den Pfleger Gaston, der oft viel besser als jeder Arzt zu Werke geht, vor allem in der Diagnostik. Er ist ein erfahrener und geduldiger Mediziner und verfügt über ein breites Instrumentarium, um aus kranken Organen noch das Beste herauszuholen – in diesem Fall meine digitalen Fotos der letzten acht Jahre. Und er schaffte es! Ganz ohne Operationssaal oder klinisches Labor. Nachdem die Tools von Windows nicht zum Ziel führten, holte er eine andere Werkzeugkiste – diejenige des guten alten Mac. Er öffnete das Organ ohne Probleme und rettete die Daten. Ungeahnte und längst vergessene Schnappschüsse kamen zum Vorschein, so auch “Hahn im Korb” (siehe unten). Ich wünsche ein gutes neues Jahr!

Ocean Alley’s Pain Killer

Hier in Florida gab es einen Kälteeinbruch. Gestern war es nur noch 20 Grad warm. Für die Einheimischen ein absoluter Horror. Die Snowbirds und die anderen Gäste, die sich viel tiefere Temperaturen gewohnt sind, lassen sich nicht aus der Ruhe bzw. Badehose bringen. Sie sitzen am Beach, geniessen die trotz allem ziemlich starke Sonne, oder schlürfen an der Bar einen Drink. Besonders beliebt ist Ocean Alley, direkt am Broadwalk von Hollywood Beach (Hollywood in Florida, nicht die Kopie davon in Kalifornien).

Ich nehme heute den Ocean Alley’s Pain Killer – nicht weil ich irgendwelche Schmerzen hätte, die es zu besiegen gälte, sondern weil ich den Mix aus Rum und Kokosmilch mag. Mein Blick schweift über den breiten, mit Palmen übersäten Sandstrand hin zu den Wellen des türkisfarbenen Atlantiks. Vor mir flanieren zufriedene Leute, Inline-Skater fahren vorbei, Velofahrer treten gemächlich in die Pedale – was für ein wundervolles Leben. Und das Spezielle am Ocean Alley ist: Gleich über der Bar ist eine Web-Kamera. Wer weiss, vielleicht sitze ich gerade jetzt wieder dort und zwinkere in die Linse.